Quelle: PBS International
Mayatempel
DO 14.5.2009, 20.15 UHR       

Die Entschlüsselung des Maya-Codes im "Universum"

Die Schrift der Maya ist die einzige uns bekannte voll entwickelte Schrift des präkolumbischen Amerika, an dessen Entzifferung ein Archäologe seit seinem 12. Lebensjahr an forscht!

Der Entschlüsselung des "Maya-Codes" widmet sich eine spannende "Universum"-Ausgabe. Martin Mészáros hat die Dokumentation von David Lebrun deutsch bearbeitet.

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Steinplatte mit Maya-Hieroglyphen

Auf der Spur geheimnisvoller Hieroglyphen

Die Schrift der Maya ist die einzige uns bekannte voll entwickelte Schrift des präkolumbischen Amerikas. Sie zu entziffern war für die Wissenschaft jedoch ein schwieriges Unterfangen, da nur wenige Schriftträger dieser Kultur erhalten geblieben sind.

Wertvolle Dokumente im 16. Jhdt. vernichtet

Als im 16. Jahrhundert der spanische Eroberer Cortés und seine Soldatenhorden brandschatzend durch die Dörfer der präkolumbischen Bevölkerung Mittelamerikas zogen, zerstörten sie unzählige Bücher mit geheimnisvollen Hieroglyphen. Erst im 19. Jahrhundert, als der Dschungel die Tempelstädte der Maya freigab, entdeckten Archäologen an ihren Wänden die rätselhaften Zeichen und Darstellungen wieder.

Die Entschlüsselung der Schriftzeichen

Von da an zog die Entschlüsselung des Maya-Codes Wissenschaftler aus der ganzen Welt in ihren Bann. Die meisten scheiterten. Der Durchbruch gelang schließlich einem Archäologen, der bereits mit zwölf Jahren begann, die Schriftzeichen zu entschlüsseln: David Stuart.

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Blick von einem Mayatempel.

David Stuarts Kindheit in den Maya-Tempel

Davids Vater George war ebenfalls Archäologe und studierte die Inschriften der Maya-Tempel. Trotz jahrzehntelanger Bemühungen besaßen die Forscher damals, Ende der 1970er Jahre, erst ein sehr bruchstückhaftes Verständnis von den geheimnisvollen Schriftzeichen. David Stuart verbrachte als Kind mehrere Sommer in Coba und Palenque, er war sofort fasziniert von der Zeichenwelt der Maya:

"Das waren unglaubliche Orte, um als Kind dort herumzustreifen. So richtig aufregend wurde es, als wir in Coba waren und zu diesem Zeitpunkt einige Monument gerade erst entdeckt worden waren. Mein Vater begann sofort, diese Bauwerke zu skizzieren und ich schaute ihm über die Schulter und dachte: Das ist ja wirklich aufregend!"

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Teller mit Maya-Hieroglyphen

Mit 18 gelang der entscheidende Durchbruch

Der junge Stuart arbeitete einen Sommer lang mit der berühmten Maya-Forscherin Linda Schele zusammen:

"Ich durfte ihre Aufzeichnungen überprüfen. Ich war die ganze Zeit mit der Taschenlampe in den Tempeln unterwegs und korrigierte die Zeichnungen. Linda sagte damals zu mir: Kleiner, wenn du die Maya-Zeichen lernen willst, musst Du das schon selber machen."

David befolgte diesen Rat: Im Alter von zwölf Jahren reichte er seine erste wissenschaftliche Arbeit ein, mit 18 erhielt er ein Stipendium und schaffte anschließend den entscheidenden Durchbruch, um den Maya-Code zu knacken.

"Dabei ging es für die Maya nicht nur darum, Sprache aufzuzeichnen", sagt David Stuart: "Genauso wichtig waren künstlerisches Geschick und eine gewisse Verspieltheit."

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Maya-Hieroglyphen

Die Schriften enthüllen neue Seiten der Maya

Sobald die Schriftzeichen zu entziffern waren, zeigte sich auch ein völlig anderes Bild der Maya-Kultur insgesamt.

"Statt als friedliche, Sterne beobachtende Priester erschienen die Maya plötzlich - wie viele andere Zivilisationen auch - als sehr konfliktfreudig", erklärt der Archäologe William Fash. "Viele Kriegsgefangene wurden den Göttern und Vorfahren geopfert. Und manchmal brachten sie auch das wertvollste Opfer überhaupt dar: ihr eigenes Blut."

Faszinierende Einblicke in die Geschichte

Doch die Möglichkeit, Sprache und Geisteswelt der Maya zu verstehen, hatte nicht nur Bedeutung für Historiker. Auch die heute lebenden Maya erhielten durch diese Entdeckungen Einblick in ihre eigene Geschichte, die spanische Eroberer und Missionare fast spurlos ausgelöscht hatten. Jahrhunderte lang wurde die Maya-Kultur brutal unterdrückt, die Menschen wurden gezwungen, Spanisch zu schreiben und zu sprechen, mussten christliche Namen annehmen.

Jetzt können sie die Sprache und Kultur ihrer Vorfahren neu entdecken. Die kunstvollen Aufzeichnungen der Maya bieten den umfassendsten Einblick in die Welt der präkolumbianischen Kultur Amerikas. Die Geschichte ihrer Entschlüsselung ist eine packende Detektivgeschichte der Archäologie.

Wiederholung
Freitag, 15. Mai, 9.30 Uhr, ORF 2